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„Am liebsten bin ich, wie du mich willst.“ Wirklich?

Es gibt ja viel, was es in der digitalen Unternehmenskommunikation richtig zu machen und – gefühlt – noch unendlich viel mehr, was es falsch zu machen gibt.

07.05.2014

Diese Woche ist mir die Ford Kampagne „Eine Idee weiter“ begegnet. Eine der schönsten Umfragen, die ich seit langem im Netz gesehen habe. Die Testimonial-Videos sind auch schön anzuschauen. Und wenn die pinkhaarige junge Frau feststellt, dass Facebook-Freunde wohl kaum nachts um vier ans Telefon gehen würden wenn man jemanden zum Sprechen braucht, entsteht in mir ein ganz angenehmer Gegenentwurf über die sonst ja nur als facebookend und whatsappend beschriebenen Menschen zwischen 15 und 25.

Eine Studie ging der Kampagne voraus. „Wir wollen verstehen, wie sich die Kundenstruktur in Deutschland verändert, damit wir mit unseren Produkten und unserer Kommunikation reagieren können", erklärte Reinhard Zillessen, der neue Marketingdirektor von Ford Deutschland die Bedeutung der Studie für das Marketing im Fachblatt „Horizont“.

Und hier beginnt meine innere Gänsehaut. Natürlich möchte man wissen, was die Zielgruppe sich wünscht und womit sie am besten umgehen kann. High-end-getestete Plattformen wie Amazon oder ebay sind lebender Beweis für totale Ausrichtung am User unter bestmöglicher Nutzung seiner Verhaltensweisen für ein optimales Verkaufsergebnis. (Gleichzeitig gibt es in meinen Augen aber auch nichts gesichtsloseres, als diese auf den durchschnittlichen User hin gestreamlineten Plattformen.)

Ford macht nun in einem eleganten Streich die Umfrage zur Kampagne, zeigt der Zielgruppe ein Bild von sich, auf das sie ein bisschen stolz sein kann, baut Nähe auf und gibt mit seinen Fragen und den beispielhaften Antworten den Ton sicherheitshalber ein bisschen vor. (Lesen sich übrigens sehr lustig, die Antworten der Besucher von www.eine-idee-weiter.de, ein spannender Querschnitt durch ganz unterschiedliche Altersgruppen.)

Ich hoffe sehr, dass Ford gerade der sein möchte „der-viel-Fragen-stellt“. Oder auch der, „der-Mensch-unterschiedlichen-Alters-eine-Plattform-bietet-auf-der-sie-Statements-machen-können“. Temporär gar keine schlechte Positionierung finde ich.
Ansonsten müsste ich ein bisschen an My Fair Lady denken und die Tragik des Versuchs, so zu sein, wie jemand anderes mich gerne haben möchte.

Ich bin sehr gespannt, was die Marketingabteilung des Autobauers aus dem machen wird, was die Besucher der Site als Auswahl/Eingabe hinterlassen haben.
Bis dahin ist Ford für mich gerade schon mal avanciert von „der angestaubten Automarke aus Köln“ zu denen, „die der Online Kommunikation richtig was zutrauen und 30% ihres Budgets online einsetzen.“